Als man sich noch frei bewegen durfte

Derzeit ist das Kulturleben in Wien und ganz Österreich ja faktisch lahmgelegt. Aber vor circa einem Monat sah das alles noch ganz anders aus: Circa ein Dutzend junger Leute verteilten High-Fives im Kreis, malten Umrisse in der Luft und musizierten zu Marimbaphon-Klängen.

Alle stellen sich in einen Kreis. Man zeigt auf eine Person und sagt ihren Namen – zuerst eine Person, später zwei Personen gleichzeitig. Währenddessen geben sich jene, die gerade nicht dran sind gegenseitig High-Fives im Kreis.

Mit diesem Kennenlernspiel beginnt der Workshop „Theaterglobus“, geleitet von Franziska Kuen. Der kostenlose Theaterworkshop des Jungen Volkstheaters fand diesmal zum Thema „Vom Bild in die Bewegung“ im MUMOK statt. Wer sich immer schon gefragt hat, ob Theaterspielen das Richtige für einen ist, hat in den Workshops die Möglichkeit, sich unter dem Motto „Führt euch auf!“ unverbindlich auszuprobieren.

Umrisse in der Luft
Nachdem alle einander kennengelernt habe, geht erste Übung geht los: Die Gruppe bildet Zweier-Paare, während die eine Person eine Position einnimmt, malt die andere Person it einem Körperteil die Umrisse der ersten Person in der Luft. Das macht man so lange bis die andere Person beschließt eine Position einzunehmen und der andere Partner mit einem Körperteil (z.B. Hand oder Ellbogen) die Umrisse des anderen malt. Das machen die Paare circa fünf Minuten lang, während es im Hintergrund ein Marimbaphon/Vibraphon-Lied spielt. Anschließend gibt es eine Feedbackrunde zu der Übung

An diesem Workshop nahmen circa zwölf Leute teil, beim letzten zum Thema „Körper und Form“ in etwa doppelt so viele. Manche sind zum ersten Mal dabei, manche schon bekannte Gesichter. Die Teilnehmenden sind in etwa zwischen 20 und 35 Jahre alt und prinzipiell theaterinteressiert. Die Stimmung ist angenehm, nett und entspannend, wobei manche der Bewegungen doch etwas anstrengend sind – Spaß machen sie trotzdem.

Von der Zeichnung zur Choreografie
In der zweiten Übung zeichnen alle gemeinsam auf einem großen Plakat, was ihnen einfällt, während dasselbe Lied im Hintergrund spielt – die erste Übung haben alle noch im Gedächtnis. Anschließend werden die Kunstwerke dann gemeinsam interpretiert.

In der dritten Übung sucht sich jede/jeder drei gezeichnete Elemente aus und versucht sie in Bewegungen umzuwandeln. Zuerst eine auf einmal, anschließend alle drei abwechselnd. Es spielt wieder dieselbe Musik und eine kleine Choreografie entsteht – man kopiert von seinen Nachbarn noch eine Bewegung und noch eine Bewegung und das Tempo wird immer wieder geändert.

Abschließend erzählen die Teilnehmenden, wie sie den Workshop wahrgenommen haben und können eine weitere Erfahrung mit nachhause nehmen – wie Bewegung, Musik und Malerei in einen Zusammenhang gebracht werden kann, sodass Kunst entsteht.

Dass der „Theaterglobus“-Workshop im MUMOK stattgefunden hat, war eine Ausnahme – sonst findet der wöchentliche Workshop im Zentrum Gretl in Margareten statt. Wie es mit dem Workshop weitergeht, wird hier und auf der Seite des Jungen Volkstheaters nachzulesen sein.

von Jelena Pantić-Panić