Weckerl, Disko-Klos und Putz-Theorien:

Eine Review von „Hi, ich bin beim Karpfenkönig!“, der Abschlussausstellung der Art Residents am Schlingerhof.

Die vier Künstlerinnen waren von Oktober bis Februar „Art Residents“ im Stadtlabor am Schlingermarkt und haben im Offenen Atelier an ihren Arbeiten gefeilt, während die Tür für Bewohner*innen und Besucher*innen des Floridsdorfer Markts offen stand.

Aber wer ist eigentlich dieser Karpfenkönig? Namensgebend für die Ausstellung ist ein Geschäft am Floridsdorfer Markt. So haben die Künstlerinnen die Umgebung in ihre Arbeit miteinbezogen.

Kornspitz on a wheel
Das Überthema von Daniela Zahlners Arbeit war ein medizinisches. Sie war in letzter Zeit oft krank und wollte das Thema Krankheit mit Humor nehmen. In ihrer Arbeit sind selbstgeschneiderte OP-Hemden, aber „auf stylish“ sowie Gerippe, die sich auf Krücken und Prothesen bewegen – Hingucker: drei Weckerl auf Rädern, vom Markt nebenan. Die Knochen und Gerippe stehen als Symbol für Krankheit, sind aber möglichst bunt – als heiterer Kontrast zur Tristheit einer Krankheit.

Als Inspiration für die Wandmalerei nahm Daniela „Hortus sanitatis“, ein Kräuterbuch aus dem Mittelalter mit Heilmitteln und Fabelwesen.
In ihrer Performance bezieht sie die Besucher*innen aktiv in die Performance mit ein. Sie verteilt Kerzen, die sie anschließend in Abdrücke von Hüftgelenken steckt. Das Becken steht genderspezifisch für weibliche Krankheiten, daher gibt sie bewusst nur Frauen die Kerzen zum Halten

Privates Konzert am Klo
Miroslava Svolikova aka YYY! hat als “very private concert” eine Soundinstallation mit Girlanden und Konfetti im WC des Ateliers aufgebaut, wo alles an einen Club beziehungsweise eine Diskothek erinnert. Darin hat sie auch – rauchend, wie es früher beim Fortgehen noch möglich war – ihre Performance abgehalten.
Sonst kombiniert Miro in ihren Arbeiten einfache geometrische Formen und Farben mit verschiedenen Strukturen und Displays. Mit einem Augenzwinkern zu betrachten ist ihr Kommentar zur famosen um 120.000 Dollar verkauften Banane, die getaped wurde: „Mein Objekt aus dem Baumarkt ist besser und nützlicher als das tatsächliche Kunstwerk“, sagt sie.

Farbenlehre für Putzfrauen
Die serbische Künstlerin Jelena Mićić hat, als sie aus Serbien nach Wien gekommen ist, als Putzfrau gearbeitet. Diese Erfahrung hat sie in ihr Werk miteinfließen lassen. Sie und die anderen Putzfrauen mussten Schulungen machen, um besser zu reinigen. Dort wurden Skripten über „Farbenlehre“ ausgeteilt – Lappen ist nämlich nicht Lappen. Den Putzlappen werden bestimmte Farben zugeteilt und sie sind zur Reinigung bestimmter Bereiche vorgesehen. Blau stand für den Bürobereich – daher hat Jelena alles was sie normalerweise in einem Büro putzen würde mit blauer Farbe bemalt.

Zeitgenössisches in Floridsdorf
Künstlerin Anastasiya Yarovenko hingegen hat sich mit der Beziehung von Kunst und Architektur beschäftigt. In der Eröffnungsausstellung im Oktober stellte sie ihre Arbeit – einen Teppich, in den sie wichtige Daten aus der ukrainischen Geschichte gestickt hat – diese sind aber verborgen und nur mithilfe eines Spiegels zu sehen.

Anastasiya hat 2015 den Preis der Kunsthalle Wien verliehen bekommen. Dass man Arbeiten zeitgenössischer Kunst dieses Kalibers auch in Floridsdorf erleben kann – das ist die Idee hinter TETE A TETE / Stadtlabor Floridsdorf.

Das Konzept ist sichtlich aufgegangen: „Das war das erste Mal, dass ich so etwas gesehen haben, es hat mir sehr imponiert“, sagt eine der Floridsdorfer*innen, die extra gekommen sind und pünktlich um 18 Uhr da waren, um sich Ausstellung und Performance anzusehen. Ein voller Erfolg also.

von Jelena Pantić-Panić