Die SymphonikerInnen auf Wien-Expedition im F23

Vom Temperatursturz merkte man an diesem Abend des 28. Oktobers 2019 zum Glück noch wenig innerhalb der dicken Fabriksgemäuer. Das Ambiente des Grätzlkonzerts der Wiener SymphonikerInnen in der ehemaligen Sargerzeugung in Atzgersdorf war durch und durch gemütlich. Nach dem Eintritt in die alten Werkshallen zeigte sich manch einer und eine von der Wohnzimmeratmosphäre der denkmalgeschützten Jugendstilfabrik überrascht: Überall luden Sofagarnituren und Couchtische zum Verweilen ein, während zig Kronleuchter einen Hauch von Noblesse verstrahlten. Viele der rund 400 BesucherInnen – eine Mischung aus passionierten Symphoniker-Fans und neugierigen AnrainerInnen – kamen nicht zuletzt aufgrund des ungewöhnlichen Settings miteinander ins Gespräch. Speis und Trank lieferte das Cateringteam des „GenussSpiegeles“, ein im Umfeld ansässiges Kleinkunst-Café.

Die Stars des Abends waren natürlich die Wiener SymphonikerInnen. Für einmal traten sie nicht im Musikverein, Konzerthaus oder einem anderen elitären Tempel der Hochkultur auf. Nein, sie waren zu Gast im F23 an der Liesinger Breitenfurter Straße 176. Hier, eingebettet in klassische Speckgürtel-Angebote, die etwa eine McDonald’s-Filiale, mehrere Tankstellen und Autohändler, Selfstorage-Flächen, Pharma- und IT-Unternehmen, einen Haustier-Großhandel, aber auch Produktionsstätten bekannter Wiener Betriebe wie jene der Kaffeerösterei Hawelka umfassen, spielte das weltbekannte Orchester auf. Und das bereitete allen Beteiligten sichtlich Freude.

Da waren zum einen die MusikerInnen selbst, die vor den weißen Ziegelmauern mit der großen Aufschrift „RAUCHEN VERBOTEN“ auf einmal ganz nahbar wirkten. Da war zum anderen die grandiose Dirigentin Ariane Matiakh, die mit vollem Einsatz orchestrierte. Sie machte keinen Hehl um ihre große Hingabe für ein traditionell männlich dominiertes Berufsfeld, in dem sich jedoch immer mehr Frauen etablieren. Da war weiters die Moderatorin und Musikvermittlerin Ulla Pilz, die unterhaltend durch den Abend führte und ganz niederschwellig Anekdoten und Wissenswertes zu den Werken und ihren Komponisten zum Besten gab. Und last but not least war da dieses enthusiastische Publikum, das zu den aufgeführten Evergreens aus berühmten Symphonien, Opern und Operetten mitsummte, mitnickte und mitwackelte. Der Funke dürfte – ganz im Sinne des aktuellen F23-Mottos „Wir wackeln in die Zukunft“ – also übergesprungen sein. Der Unterschied zwischen dem etwas zurückhaltenden Begrüßungsapplaus und dem finalen Beifall war jedenfalls frappant. So löste die Stadtexpedition der Wiener SymphonikerInnen nach mehreren Zugaben sogar stehende Ovationen aus.

von Sandra Voser