Wissenschaft als Erlebnis: Wenn Kinder mitmachen,mitdenken,
mitexperimentieren

Am 18. November 2019 hatte ich endlich einen guten Grund, die Per-Albin-Hansson-Siedlung am Südhang des Laaer Berges kennenzulernen. Mein Weg führte von der U1-Station Alaudagasse durch das Hanssonzentrum, der Einkaufs- und Kulturader des östlichen Teils der städtischen Wohnhausanlage, die 1977 fertiggestellt wurde. Denn im Haus der Begegnung der VHS PAHO (abgekürzt für Per-Albin-Hansson-Siedlung Ost) luden die Science Busters in Kooperation mit dem Science Pool zum allerersten Mal zum Wiener Stadtlabor „heiß & kalt“.

Nachdem der Science Pool – seit über 11 Jahren im Bereich der Wissenschaftsvermittlung tätig – am Nachmittag naturwissenschaftliche Workshops für Kids angeboten hatte, brachten die Science Busters Biologie und Chemie performativ auf die Bühne. Unter dem Motto „Man muss nur so lange fragen, bis man die Antwort versteht“ leitete der preisgekrönte Kabarettist und bekennende Studienabbrecher Martin Puntigam durch den Abend. Blöde Fragen gab es selbstverständlich keine. Dafür eine inszenierte Konkurrenz zwischen den Ensemblemitgliedern, die auf der Bühne ihre Labore aufgebaut hatten: Links der Molekularbiologe und Univ.-Prof. Dr. Helmut Jungwirth von der Universität Graz und rechts der Chemiker und Assist. Prof. Dr. Peter Weinberger von der TU Wien.

Zuerst begaben sie sich in heiße Gefilde: Nachdem letzterer einen 20 Euroschein vernichtete, indem er ihn rückstandslos verbrannte, widmete er sich Formengedächtnislegierungen. Unter der Assistenz vom kleinen Edi erinnerte sich ein krumm verbogener Draht durch die Erwärmung und anschließende Abkühlung an seine frühere Herzchenform. Die nächsten partizipativen Draht-Experimente ergaben einen Schweifstern und eine Blume. Zauber? Nein, Wissenschaft.

Die Latte war also gleich zu Beginn hoch gesetzt. Doch auch der Biologe vermochte mit seinen Kunststücken zu begeistern. So demonstrierte Herr Jungwirth, wie man mit einem Feuerlöscher und einer Skisocke Trockeneis zur Kühlung einer Getränkedose herstellen konnte. Dass dabei die Bühne in mystischen Nebel getaucht wurde, war ein willkommener Nebeneffekt.

Auch kulinarisch hatte der Abend einiges zu bieten. So ging es mit flüssigem Stickstoff weiter, in den Popcorn getaucht und bei dreistelligen Minustemperaturen gesiedet wurde. Beim anschließenden Knabbern des Snacks entfaltete sich ein überraschender Effekt: Weißer Dampf qualmte wie ein Drachenatem aus Nase und Mund. Popcorn lässt sich also auch rauchen, lernte man. Zum krönenden Abschluss folgte dann die Nachspeise: Aus Vanillejoghurt wurde Eis produziert, das Jung und Alt begeisterte.

Trotz kostenlosem Eintritt blieben bei der Abendveranstaltung einige Sesselreihen leer. Schade, denn die Allianz aus Vermittlungsworkshops für Kinder und humoristischem Bühnenprogramm für die ganze Familie ging auf. Einerseits für die jungen TeilnehmerInnen an den naturwissenschaftlichen Experimenten, um im Sinne einer frühen Forschungsförderung ihr Interesse an wissenschaftlichen Tätigkeiten zu wecken. Andererseits auch für Erwachsene – neben Geschwistern saßen vor allem Eltern und Großeltern im Publikum –, um durch die niederschwellige, greifbare und unterhaltsame Vorführung Hemmschwellen zur akademischen Welt abzubauen.

von Sandra Voser